Eine einzige defekte Kaffeemaschine hat 2024 in einem Düsseldorfer Büro einen Kabelbrand ausgelöst — Schaden: 47.000 Euro. Die DGUV Vorschrift 3 Prüfung hätte den Defekt rechtzeitig erkannt. Für Unternehmer ist diese Elektroprüfung keine Option, sondern gesetzliche Pflicht. Wer sie versäumt, riskiert Bußgelder, Versicherungsverlust und persönliche Haftung.
Auf einen Blick: Eine einzige defekte Kaffeemaschine hat 2024 in einem Düsseldorfer Büro einen Kabelbrand ausgelöst — Schaden: 47.000 Euro. Die DGUV Vorschrift 3 Prüfung hätte den Defekt rechtzeitig erkannt. Für…
In diesem Ratgeber erfahren Sie, was die DGUV V3 Prüfung kostet, wer sie durchführen darf und welche Fristen für Ihren Betrieb gelten.
⚡ Auf einen Blick
- Kosten pro Gerät: 3 – 12 € (ortsveränderlich) / 8 – 25 € (ortsfest)
- Tagespauschale: 600 – 1.200 € für einen Prüfer
- Pflicht: Ja — für alle Unternehmen mit elektrischen Betriebsmitteln
- Prüffristen: Alle 6 Monate bis 4 Jahre (je nach Gerätetyp und Umgebung)
- Wer prüft: Elektrofachkraft oder befähigte Person nach TRBS 1203
- Rechtsgrundlage: DGUV Vorschrift 3, BetrSichV, ArbSchG
Was ist die DGUV Vorschrift 3 Prüfung?
Die DGUV Vorschrift 3 (früher BGV A3) regelt die Prüfung elektrischer Anlagen und Betriebsmittel in Unternehmen. Sie verpflichtet jeden Arbeitgeber, sämtliche elektrischen Geräte und Installationen regelmäßig auf Sicherheit prüfen zu lassen.
Die Vorschrift basiert auf dem Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) und der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV). Sie gilt für alle Branchen — vom Einzelhandelsladen über das Ingenieurbüro bis zur Industriehalle.
Geprüft werden dabei zwei Kategorien:
- Ortsveränderliche Betriebsmittel: Geräte mit Stecker — Laptops, Drucker, Kaffeemaschinen, Verlängerungskabel, Handbohrmaschinen
- Ortsfeste Anlagen und Betriebsmittel: Fest installierte Elektrik — Schaltschränke, Unterverteilungen, Steckdosenkreise, Beleuchtungsanlagen

DGUV V3 Prüfung: Kosten im Überblick
Die Kosten einer DGUV V3 Prüfung richten sich primär nach der Anzahl und Art der Prüflinge. Die meisten Prüfbetriebe rechnen pro Gerät ab — bei größeren Aufträgen gibt es Pauschalangebote.
| Prüfungsart | Kosten pro Einheit | Hinweis |
|---|---|---|
| Ortsveränderliche Geräte (einfach) | 3 – 5 € | Laptop, Monitor, Kaffeemaschine |
| Ortsveränderliche Geräte (komplex) | 5 – 12 € | Schweißgeräte, Industriestaubsauger |
| Ortsfeste Betriebsmittel | 8 – 25 € | Herdanschluss, Durchlauferhitzer |
| Stromkreise (ortsfeste Anlagen) | 10 – 15 € pro Kreis | Messung Isolationswiderstand, RCD-Test |
| Tagespauschale (1 Prüfer) | 600 – 1.200 € | Ca. 80–120 Geräte/Tag möglich |
| Erstprüfung neue Anlage | 500 – 3.000 € | Je nach Anlagengröße |
Rechenbeispiel: DGUV V3 Kosten für ein typisches Büro
Ein mittelständisches Büro mit 25 Arbeitsplätzen hat typischerweise:
| Position | Anzahl | Stückpreis | Gesamt |
|---|---|---|---|
| Computer/Monitore | 50 | 3,50 € | 175 € |
| Drucker/Kopierer | 5 | 5 € | 25 € |
| Küchengeräte | 8 | 4 € | 32 € |
| Verlängerungskabel/Mehrfachstecker | 30 | 3 € | 90 € |
| Sonstige (Ladegeräte, Ventilatoren etc.) | 20 | 3 € | 60 € |
| Anfahrtspauschale | 1 | 50 € | 50 € |
| Gesamtkosten (netto) | ca. 432 € | ||
Umgerechnet sind das rund 3,80 € pro Gerät. Bei 113 Prüflingen ein üblicher Marktpreis. Größere Betriebe verhandeln oft Rahmenverträge mit Mengenrabatt.
Was beeinflusst die Prüfkosten?
Die Preisspanne zwischen 3 und 25 Euro pro Gerät erklärt sich durch mehrere Faktoren:
Gerätetyp und Schutzklasse: Ein Schutzklasse-I-Gerät (mit Schutzleiter) erfordert mehr Messungen als ein Schutzklasse-II-Gerät (schutzisoliert). Dreiphasige Industriemaschinen dauern pro Prüfung 10–15 Minuten, ein Laptop nur 2–3 Minuten.
Zugänglichkeit: Sind Geräte über mehrere Stockwerke verteilt oder in schwer zugänglichen Bereichen montiert, steigt der Zeitaufwand und damit der Preis.
Vorhandene Dokumentation: Existiert bereits ein Geräte-Inventar mit Barcode-Nummern, spart das dem Prüfer erheblich Zeit. Fehlt jede Dokumentation, muss der Prüfer alle Geräte erstmalig erfassen — Mehrkosten von 20–30 %.
Mängelquote: Werden bei der Prüfung viele defekte Geräte gefunden, muss der Prüfer jeden Mangel dokumentieren und bewerten. Das verlängert die Prüfdauer.
Region: In Ballungsräumen wie München oder Hamburg liegen die Stundensätze von Elektrofachbetrieben 15–25 % über dem Bundesdurchschnitt. Mehr dazu in unserem Ratgeber zu Elektriker-Kosten 2026.

Prüffristen: Wie oft muss geprüft werden?
Die DGUV Vorschrift 3 gibt keine starren Fristen vor. Stattdessen muss der Unternehmer eine Gefährdungsbeurteilung erstellen und daraus die Prüffristen ableiten. Die folgende Tabelle zeigt die in der Praxis gängigen Richtwerte nach DGUV Information 203-070 und VDE 0105-100:
| Betriebsmittel | Richtwert Erstprüfung | Richtwert Wiederholungsprüfung |
|---|---|---|
| Ortsveränderliche Geräte (Büro) | Vor Erstinbetriebnahme | Alle 24 Monate |
| Ortsveränderliche Geräte (Werkstatt/Baustelle) | Vor Erstinbetriebnahme | Alle 6 Monate |
| Ortsfeste Anlagen (normal) | Vor Erstinbetriebnahme | Alle 4 Jahre |
| Ortsfeste Anlagen (feucht/staubig) | Vor Erstinbetriebnahme | Alle 12 Monate |
| Schutzeinrichtungen (FI-Schalter) | Vor Erstinbetriebnahme | Alle 6 Monate |
Wer darf die DGUV V3 Prüfung durchführen?
Die Prüfung darf ausschließlich von einer Elektrofachkraft (EFK) oder einer befähigten Person nach TRBS 1203 durchgeführt werden. Das ist keine Formalie — der Prüfer muss nachweisen:
- Abgeschlossene elektrotechnische Berufsausbildung oder gleichwertige Qualifikation
- Mindestens ein Jahr Berufserfahrung im Prüfbereich
- Aktuelle Kenntnisse der einschlägigen Normen (VDE 0701-0702, VDE 0105-100)
- Geeignete, kalibrierte Prüfmittel
In der Praxis beauftragen die meisten Unternehmen einen externen Prüfdienstleister. Der Vorteil: Diese Betriebe haften mit ihrem Namen für das Prüfergebnis. Wird trotz Prüfung ein Defekt übersehen, geht die Haftung auf den Prüfbetrieb über.
Alternativ kann eine interne Elektrofachkraft die Prüfung übernehmen — vorausgesetzt, sie erfüllt die Anforderungen der TRBS 1203 und hat keine Interessenkonflikte (sollte also nicht die Person sein, die das Gerät auch repariert hat).
Ablauf einer DGUV V3 Prüfung
Jede normkonforme Prüfung folgt einem dreistufigen Verfahren nach VDE 0701-0702 (für ortsveränderliche Geräte) bzw. VDE 0105-100 (für ortsfeste Anlagen):
1. Sichtprüfung
Der Prüfer kontrolliert Gehäuse, Kabel, Stecker und Anschlüsse auf sichtbare Schäden. Typische Befunde: gebrochene Gehäuse, geknickte Kabel, fehlende Zugentlastungen, provisorische Reparaturen mit Klebeband. Bereits hier fallen erfahrungsgemäß 30–40 % aller Mängel auf.
2. Messtechnische Prüfung
Mit einem kalibrierten Prüfgerät (z. B. Fluke, Gossen Metrawatt, Benning) werden folgende Werte gemessen:
- Schutzleiterwiderstand: Muss unter 0,3 Ω liegen (bei Geräten mit Schutzleiter)
- Isolationswiderstand: Mindestens 1 MΩ bei Schutzklasse I, 2 MΩ bei Schutzklasse II
- Ableitstrom: Darf gerätespezifische Grenzwerte nicht überschreiten
- RCD-Auslösezeit: FI-Schalter müssen innerhalb von 200 ms (bei 30-mA-Typ) auslösen
3. Funktionsprüfung
Im letzten Schritt wird getestet, ob das Gerät bestimmungsgemäß funktioniert. Sicherheitseinrichtungen wie Not-Aus-Schalter, Überhitzungsschutz oder Fehlerstromschutzschalter werden dabei gezielt aktiviert.
Nach bestandener Prüfung erhält jedes Gerät eine Prüfplakette mit Datum und Prüfer-Kennung. Der Prüfer erstellt ein Prüfprotokoll mit allen Messwerten, das der Unternehmer mindestens bis zur nächsten Prüfung aufbewahren muss.
Was passiert bei Mängeln?
Stellt der Prüfer einen Mangel fest, gibt es drei Eskalationsstufen:
Geringfügiger Mangel: Das Gerät darf bis zur nächsten geplanten Prüfung weiterbetrieben werden. Beispiel: Leicht verkratzte Isolierung ohne Funktionsbeeinträchtigung. Der Mangel wird dokumentiert.
Erheblicher Mangel: Das Gerät muss innerhalb einer gesetzten Frist repariert oder ersetzt werden. Beispiel: Schutzleiterwiderstand knapp über dem Grenzwert. Bis zur Reparatur darf es unter Auflagen weiterverwendet werden.
Gefährlicher Mangel: Das Gerät wird sofort stillgelegt und erhält eine rote Plakette oder ein Verbotsschild. Beispiel: Defekte Isolierung mit messbarem Gehäusestrom. Kein Weiterbetrieb unter keinen Umständen.
Strafen bei Verstoß: Was droht ohne DGUV V3 Prüfung?
Wer die Prüfpflicht ignoriert, spielt mit dem Feuer — im wahrsten Sinne des Wortes:
- Bußgelder: Die Berufsgenossenschaft kann Bußgelder bis zu 10.000 Euro verhängen (§ 209 SGB VII)
- Versicherungsverlust: Bei einem Schaden ohne gültige Prüfdokumentation kann die Versicherung die Leistung kürzen oder vollständig verweigern
- Persönliche Haftung: Der Unternehmer haftet persönlich für Personenschäden — bei schwerer Fahrlässigkeit auch strafrechtlich (§ 229 StGB Fahrlässige Körperverletzung, § 222 StGB Fahrlässige Tötung)
- Betriebsschließung: Bei akuter Gefährdung kann die Gewerbeaufsicht den Betrieb vorübergehend stilllegen
Auch das Gewerbeamt prüft bei Kontrollen regelmäßig, ob Prüfprotokolle vorliegen. Fehlen diese, ist das ein Sofortbefund.
DGUV V3 Prüfung: Kosten steuerlich absetzen
Die gute Nachricht: Sämtliche Kosten der DGUV V3 Prüfung sind als Betriebsausgaben voll steuerlich absetzbar. Das gilt für:
- Prüfgebühren des externen Dienstleisters
- Anschaffung von Prüfplaketten und Dokumentationssoftware
- Schulungskosten für interne Prüfer
- Reparaturkosten für beanstandete Geräte
Gerade für Betriebe unter der Kleinunternehmerregelung (§ 19 UStG) sind die Bruttokosten relevant — hier entfällt der Vorsteuerabzug. Alle anderen Unternehmer buchen die Nettobeträge.
Tipps: So senken Sie die Prüfkosten
Geräte-Inventar vorbereiten: Erstellen Sie vor dem Prüftermin eine Liste aller elektrischen Betriebsmittel mit Standort und Inventarnummer. Das spart dem Prüfer 20–30 % Zeitaufwand.
Geräte zentral bereitstellen: Sammeln Sie mobile Geräte an einem Ort. Muss der Prüfer durch fünf Stockwerke laufen, kostet das Zeit — und damit Geld.
Rahmenvertrag abschließen: Bei regelmäßiger Prüfung (alle 1–2 Jahre) bieten viele Dienstleister Mengenrabatte von 10–20 % an.
Defekte Altgeräte vorher aussortieren: Offensichtlich defekte Geräte vor der Prüfung entsorgen. Jedes Gerät, das der Prüfer anfasst, kostet — auch wenn es durchfällt.
Prüfzeitraum flexibel planen: In den Sommermonaten haben viele Prüfbetriebe weniger Auslastung. Wer seinen Prüftermin in die Nebensaison legt, verhandelt bessere Konditionen.
Prüfung selbst durchführen oder extern vergeben?
Grundsätzlich darf jede qualifizierte Elektrofachkraft die DGUV V3 Prüfung durchführen — auch wenn sie beim Unternehmen angestellt ist. In der Praxis sprechen jedoch mehrere Gründe für einen externen Prüfer:
| Kriterium | Intern | Extern |
|---|---|---|
| Haftung | Bleibt beim Unternehmer | Geht auf Prüfbetrieb über |
| Kosten | Geringer (nur Arbeitszeit + Prüfmittel) | Höher (Dienstleistergebühr) |
| Objektivität | Eingeschränkt (Betriebsblindheit) | Hoch (unabhängig) |
| Ausrüstung | Eigene Prüfmittel nötig (1.500–5.000 €) | Stellt Prüfbetrieb |
| Anerkennung | BG akzeptiert, aber prüft genauer | Von BG bevorzugt |
Für KMU mit weniger als 200 Geräten ist die externe Prüfung fast immer wirtschaftlicher. Erst ab ca. 500+ Geräten lohnt sich eine interne Elektrofachkraft, die regelmäßig prüft.
Welche Betriebe müssen prüfen lassen?
Kurze Antwort: Jeder Betrieb mit mindestens einem Mitarbeiter und einem elektrischen Gerät.
Die DGUV Vorschrift 3 gilt für alle Mitgliedsunternehmen der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen. Das umfasst:
- Handwerksbetriebe und Industrieunternehmen
- Büros, Praxen und Kanzleien
- Gastronomie und Hotels
- Schulen, Kindergärten und öffentliche Einrichtungen
- Vereine mit Angestellten
Ausnahme: Reine Ein-Personen-Unternehmen ohne Angestellte unterliegen nicht der DGUV Vorschrift 3 — wohl aber der Betriebssicherheitsverordnung. Die Prüfpflicht für ortsfeste Anlagen (z. B. den Sicherungskasten) besteht dennoch.
Auch Vermieter von Gewerbeimmobilien müssen nachweisen, dass die elektrischen Anlagen geprüft sind — andernfalls haften sie bei Schäden an Mietergeräten.
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Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Fazit: Pflichtprüfung, die sich rechnet
Die DGUV V3 Prüfung kostet ein typisches KMU zwischen 300 und 2.000 Euro pro Jahr — ein Bruchteil dessen, was ein einziger Kabelbrand oder ein Arbeitsunfall kosten würde. Die Prüfung ist gesetzliche Pflicht, schützt Mitarbeiter und bewahrt Sie als Unternehmer vor persönlicher Haftung.
Nutzen Sie das Stromkosten-Rechner-Tool, um Ihre laufenden Energiekosten zu optimieren, und lesen Sie unseren Ratgeber zum FI-Schalter nachrüsten — denn ein funktionierender RCD ist eine der wichtigsten Sicherheitseinrichtungen, die der Prüfer kontrolliert.
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