Hauselektrik erneuern Kosten 2026: Kompletter Ratgeber für Altbau & Sanierung

Offene Unterputzdose mit neuen Kabeln während Hauselektrik-Sanierung im Altbau

Die Kosten für die Erneuerung der Hauselektrik liegen 2026 zwischen 80 und 150 Euro pro Quadratmeter bei einer Vollsanierung. Für ein 120-qm-Einfamilienhaus bedeutet das 9.600 bis 18.000 Euro — inklusive Material, Arbeitslohn und neuem Zählerschrank. Eine Teilsanierung (Sicherungskasten + einzelne Stromkreise) ist ab 2.000 Euro möglich.

Vollsanierung vs. Teilsanierung: Was brauchen Sie?

Ob eine Voll- oder Teilsanierung nötig ist, hängt vom Zustand und Alter der bestehenden Elektroanlage ab. Ein E-Check durch einen Fachbetrieb (100 – 250 Euro) schafft Klarheit.

Wann ist eine Vollsanierung nötig?

  • Aluminium-Leitungen (verbaut bis ca. 1975) — diese dürfen nach aktueller VDE 0100 nicht mehr als tragende Installation genutzt werden
  • Keine FI-Schutzschalter (Fehlerstromschutz) vorhanden
  • Stoffummantelte Leitungen oder brüchige PVC-Isolierung
  • Zählerschrank mit Schraubsicherungen (Diazed) statt Leitungsschutzschaltern
  • Weniger als 3 Stromkreise pro Wohnung
  • Keine PE-Leiter (Schutzleiter) in den Leitungen — klassisches Zweiadersystem

Wann reicht eine Teilsanierung?

  • Kupferleitungen in gutem Zustand, aber zu wenige Steckdosen
  • Sicherungskasten veraltet, Leitungsnetz aber intakt
  • Einzelne Räume modernisieren (z. B. Küche, Bad)
  • Smart-Home-Nachrüstung ohne Komplett-Neuverkabelung

Hauselektrik erneuern: Kosten im Detail

Vollsanierung — Kostenübersicht

Position Kosten pro qm Kosten bei 120 qm
Neuer Zählerschrank (Zählerplatz + Unterverteiler) 1.500 – 3.500 €
Leitungsnetz komplett neu (NYM-J, Leerrohre) 45 – 80 € 5.400 – 9.600 €
Steckdosen & Schalter (Material + Montage) 15 – 30 € 1.800 – 3.600 €
FI-Schutzschalter & Überspannungsschutz 300 – 800 €
Abnahme, Prüfung, Dokumentation 200 – 500 €
Schlitze stemmen & wieder verschließen 15 – 30 € 1.800 – 3.600 €
Gesamt Vollsanierung 80 – 150 € 9.600 – 18.000 €

Teilsanierung — Kostenübersicht

Maßnahme Kosten (inkl. Material & Arbeit)
Sicherungskasten erneuern (12 – 24 Plätze) 800 – 2.500 €
Zusätzliche Steckdosen setzen (pro Stück, UP) 80 – 150 €
Einzelnen Stromkreis nachrüsten 250 – 600 €
FI-Schutzschalter nachrüsten (pro Stück) 120 – 250 €
Küche komplett neu verkabeln 1.200 – 3.000 €
Badezimmer komplett neu verkabeln 800 – 2.000 €

Kostenbeispiel: Altbau von 1968 komplett sanieren

Familie Schmidt kauft ein Einfamilienhaus Baujahr 1968 mit 130 qm Wohnfläche. Die Elektrik wurde nie modernisiert: Aluminium-Leitungen, Schraubsicherungen, kein FI-Schutz, nur 2 Steckdosen pro Raum. Der E-Check ergibt: Vollsanierung zwingend erforderlich.

Position Kosten
Neuer Zählerschrank (Zählerplatz + 4 Unterverteiler) 2.800 €
Leitungsnetz komplett (NYM-J 3×1,5 und 5×2,5) 7.200 €
38 Steckdosen + 22 Schalter (Gira System 55) 2.400 €
4× FI-Schutzschalter Typ A + Überspannungsschutz Typ 1+2 650 €
Herd-Anschluss (Drehstrom) + Durchlauferhitzer 480 €
Schlitze stemmen + verputzen (Maurer separat) 2.600 €
Abnahme, Messprotokolle, Dokumentation 350 €
Gesamtkosten 16.480 €

Pro Quadratmeter ergibt das rund 127 Euro — ein typischer Wert für eine Vollsanierung im Altbau.

Welche Normen und Vorschriften gelten?

Die Elektrosanierung unterliegt strengen Vorschriften. Ihr Elektrofachbetrieb muss folgende Regelwerke einhalten:

  • VDE 0100 (DIN VDE 0100-410): Grundnorm für die Errichtung von Niederspannungsanlagen. Regelt Schutzmaßnahmen, Isolierung, Erdung.
  • DIN 18015-1 bis -3: Definiert die Mindestausstattung elektrischer Anlagen in Wohngebäuden. Teil 2 legt fest, wie viele Steckdosen und Stromkreise pro Raum nötig sind.
  • RAL-RG 678: Ausstattungswerte für drei Komfortstufen — von Mindestausstattung (★) bis Komfortausstattung (★★★).
  • TAB (Technische Anschlussbedingungen): Die lokalen Vorgaben des Netzbetreibers für den Hausanschluss. Unterscheiden sich regional.
  • NAV (Niederspannungsanschlussverordnung): Regelt, wer Arbeiten am Hausanschluss durchführen darf (nur eingetragene Fachbetriebe nach §13 NAV).

Die drei Ausstattungsstufen nach RAL-RG 678

Wie viele Steckdosen und Stromkreise brauchen Sie? Die RAL-Richtlinie definiert drei Stufen:

Stufe Beschreibung Steckdosen (Beispiel Wohnzimmer 20 qm) Stromkreise (gesamt, 3-Zi.-Wohnung)
★ Mindest Grundversorgung 5 3
★★ Standard Zeitgemäßer Komfort 8 5
★★★ Komfort Gehoben, Smart-Home-ready 11 7+

Unsere Empfehlung für die Sanierung: Planen Sie mindestens Stufe ★★. Die Mehrkosten gegenüber der Mindestausstattung betragen nur 15 – 25 %, aber Sie ersparen sich nachträgliche Erweiterungen.

Ablauf einer Elektrosanierung — Schritt für Schritt

1. Bestandsaufnahme und E-Check

Ein Elektrofachbetrieb prüft die bestehende Anlage nach DIN VDE 0105-100. Kosten: 100 – 250 Euro. Sie erhalten ein Prüfprotokoll mit allen Mängeln.

2. Planung und Angebot

Anhand des E-Check-Protokolls erstellt der Betrieb einen Installationsplan. Legen Sie gemeinsam fest: Steckdosenpositionen, Schalterpositionen, Stromkreisverteilung, Sonderstromkreise (Herd, Durchlauferhitzer, Wallbox). Ein guter Betrieb plant mit Ihnen am Grundriss.

3. Schlitze stemmen / Leerrohre verlegen

Bei Aufputz-Verlegung (im Keller) entfällt das Stemmen. In Wohnräumen werden Schlitze gefräst, Dosen eingelassen und Leerrohre verlegt. Tipp: Diese Arbeit können Sie auch vom Maurer oder in Eigenleistung ausführen lassen und so 1.500 – 3.000 Euro sparen.

4. Kabel einziehen und verdrahten

Der Elektriker verlegt NYM-J-Leitungen (üblicherweise 3×1,5 mm² für Licht, 3×2,5 mm² für Steckdosen, 5×2,5 mm² für Drehstrom). Berechnen Sie den passenden Kabelquerschnitt und prüfen Sie den Spannungsfall bei längeren Leitungswegen.

5. Zählerschrank setzen und verdrahten

Der neue Zählerschrank wird nach TAB des lokalen Netzbetreibers errichtet. Mindestens ein FI-Schutzschalter (30 mA) pro 6 Stromkreise ist Pflicht. Für Bad und Außenbereich empfiehlt die VDE einen separaten FI.

6. Abnahme und Inbetriebnahme

Nach Fertigstellung erstellt der Elektriker ein Messprotokoll (Isolationswiderstand, Schleifenimpedanz, FI-Auslösezeit) nach DIN VDE 0100-600. Erst danach darf die Anlage in Betrieb genommen werden.

Eigenleistung: Wo können Sie sparen?

Folgende Arbeiten dürfen Sie als Laie selbst ausführen — und sparen damit 20 – 35 % der Gesamtkosten:

  • Schlitze fräsen (Winkelschleifer mit Diamantscheibe, Staubabsaugung!)
  • Hohlwanddosen und Unterputzdosen setzen
  • Kabel durch Leerrohre einziehen
  • Schalter- und Steckdosenabdeckungen montieren (nach dem Anschluss durch den Fachmann)
  • Alten Putz entfernen, Schlitze wieder verputzen

Finger weg von: Anschließen am Zählerschrank, Verdrahten von Dosen, Inbetriebnahme, Arbeiten am Hausanschluss. Das darf nur die Fachkraft — sowohl nach VDE 0100 als auch nach der NAV.

Förderung und Finanzierung

Die Erneuerung der Hauselektrik wird in bestimmten Fällen gefördert:

  • KfW-Kredit 261/262 (Bundesförderung effiziente Gebäude): Wenn die Elektrosanierung Teil einer energetischen Gesamtsanierung ist, können Sie zinsgünstige Kredite bis 150.000 Euro pro Wohneinheit erhalten.
  • BAFA-Förderung Einzelmaßnahme: Für den Einbau von Smart-Home-Steuerung als Teil einer Heizungsoptimierung.
  • Steuerbonus nach §35c EStG: 20 % der Handwerkerkosten (max. 40.000 Euro) für energetische Sanierungen können Sie über 3 Jahre von der Steuer absetzen — ohne Antrag, direkt in der Steuererklärung.
  • Handwerkerbonus (§35a EStG): Unabhängig von der energetischen Sanierung können Sie 20 % der Arbeitskosten (max. 1.200 Euro/Jahr) steuerlich geltend machen.

Häufige Fehler bei der Elektrosanierung

  • Zu wenig Stromkreise geplant: Planen Sie mindestens einen Stromkreis pro Raum. Küche und Bad brauchen jeweils 2 – 3 Stromkreise. Nachträglich erweitern ist teuer.
  • Keine Leerrohre verlegt: Wer auf Leerrohre verzichtet, kann später keine Kabel mehr nachziehen, ohne Wände aufzureißen.
  • Falscher Kabelquerschnitt: Zu dünne Kabel führen zu Spannungsfall und Überhitzung. Der Kabelquerschnitt-Rechner hilft bei der Auslegung.
  • Kein Netzwerkverkabelung mitgeplant: Verlegen Sie Cat-7-Kabel gleich mit. Der Aufwand ist minimal, wenn die Wände ohnehin offen sind.
  • Überspannungsschutz vergessen: Seit VDE 0100-443 (2016) ist der Überspannungsschutz in Neubauten und bei Komplettsanierungen Pflicht.

FAQ — Häufig gestellte Fragen

Wann muss die Hauselektrik erneuert werden?

Spätestens nach 35 – 40 Jahren empfehlen Fachleute eine Überprüfung und ggf. Erneuerung. Zwingende Anzeichen sind: Aluminium-Leitungen, fehlender FI-Schutz, Schraubsicherungen, weniger als 3 Stromkreise pro Wohnung oder brüchige Kabelisolierung.

Was kostet ein neuer Sicherungskasten mit Montage?

Ein neuer Sicherungskasten kostet zwischen 800 und 2.500 Euro — abhängig von der Größe (12 bis 48 Plätze), der Anzahl der FI-Schutzschalter und ob der Zählerplatz ebenfalls erneuert werden muss. Ein einfacher Unterverteiler mit 12 Plätzen liegt bei 800 – 1.200 Euro, ein kompletter Zählerschrank mit 2 Zählerplätzen bei 2.000 – 3.500 Euro.

Lohnt es sich, die Elektrik eines alten Hauses zu erneuern?

In den meisten Fällen ja. Eine veraltete Elektrik ist ein Sicherheitsrisiko (Brandgefahr durch marode Leitungen) und mindert den Immobilienwert. Zudem verweigern viele Versicherer die Leistung, wenn ein Brandschaden auf veraltete Elektrik zurückzuführen ist. Bei einem Hauskauf ist die Elektrosanierung oft die wichtigste Maßnahme.

Wann muss der Sicherungskasten erneuert werden?

Wenn er noch Schraubsicherungen (Diazed) enthält, keinen FI-Schutzschalter hat oder nicht genug Plätze für die benötigten Stromkreise bietet. Auch bei einer Erweiterung (z. B. Wallbox, Wärmepumpe, Photovoltaik) ist oft ein neuer Zählerschrank nötig.

Wie lange dauert eine Elektrosanierung?

Bei einer Vollsanierung (120 qm Einfamilienhaus) rechnen Sie mit 2 – 4 Wochen Arbeitszeit, verteilt auf mehrere Gewerke (Elektriker, Maurer, Maler). Die reine Elektroarbeit dauert etwa 8 – 12 Arbeitstage.

Kann ich den Widerstand meiner alten Leitungen selbst messen?

Die Messung des Isolationswiderstands erfordert ein spezielles Messgerät (Isolationsmessgerät, mindestens 500 V Messspannung) und darf nur von einer Elektrofachkraft durchgeführt werden. Die Werte müssen den Vorgaben der VDE 0100-600 entsprechen — mindestens 1 MΩ pro Stromkreis.

Fazit

Die Erneuerung der Hauselektrik kostet bei einer Vollsanierung 80 – 150 Euro pro Quadratmeter, eine Teilsanierung ist ab 2.000 Euro realisierbar. Entscheidend ist eine gründliche Bestandsaufnahme per E-Check und eine vorausschauende Planung — lieber jetzt ein paar Steckdosen mehr als in fünf Jahren die Wände nochmals aufreißen. Nutzen Sie die Fördermöglichkeiten über KfW-Kredite und den steuerlichen Handwerkerbonus, und holen Sie mehrere Angebote ein. Einen qualifizierten Elektriker in Ihrer Nähe finden Sie über unsere Stadtseiten, z. B. für Berlin, München oder Hamburg.

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