Sicherungskasten erneuern: Kosten, Ablauf & Pflicht 2026

Moderner Sicherungskasten mit Leitungsschutzschaltern und FI-Schalter

Ihr Sicherungskasten hat noch Schraubsicherungen aus den 70er-Jahren, und beim Einschalten der Waschmaschine flackert das Licht im Flur? Dann wird es höchste Zeit für eine Erneuerung. Ein veralteter Sicherungskasten ist nicht nur ein Ärgernis — er kann zur echten Brandgefahr werden. In diesem Ratgeber erfahren Sie, was die Erneuerung kostet, wie der Ablauf funktioniert und wann Sie handeln müssen.

Auf einen Blick: Ihr Sicherungskasten hat noch Schraubsicherungen aus den 70er-Jahren, und beim Einschalten der Waschmaschine flackert das Licht im Flur? Dann wird es höchste Zeit für eine Erneuerung. Ein veralteter…

Wann muss der Sicherungskasten erneuert werden?

Nicht jeder alte Sicherungskasten muss sofort raus. Aber es gibt klare Warnsignale, bei denen Sie nicht länger warten sollten:

  • Schraubsicherungen (Diazed): Diese Technik stammt aus den 1960er- bis 1980er-Jahren. Sie bieten keinen Fehlerstromschutz und lassen sich mit falschen Sicherungseinsätzen überbrücken — ein erhebliches Brandrisiko.
  • Fehlender FI-Schalter (RCD): Seit 2007 ist ein FI-Schalter für Steckdosenkreise in Neubauten Pflicht (VDE 0100-410). Im Altbau besteht Nachrüstpflicht bei wesentlichen Änderungen an der Elektroanlage.
  • Häufiges Auslösen: Wenn Sicherungen regelmäßig fliegen, ist die Anlage überlastet oder es liegen Defekte in der Verdrahtung vor.
  • Verbrannte oder verfärbte Kontakte: Ein Zeichen für Überhitzung — sofort handeln.
  • Zu wenig Stromkreise: Ein Haushalt aus den 70ern hatte oft nur 6–8 Sicherungen. Heute brauchen Küche, Homeoffice, Wärmepumpe und E-Auto deutlich mehr.
  • Umbau oder Sanierung: Bei einer Kernsanierung schreibt die TAB (Technische Anschlussbedingungen) des Netzbetreibers meist einen neuen Zählerschrank vor.

Faustregel: Ist Ihr Sicherungskasten älter als 30 Jahre und hat noch Schraubsicherungen, sollten Sie die Erneuerung zeitnah einplanen.

Vergleich: Alter Sicherungskasten mit Schraubsicherungen und moderner Sicherungskasten mit Automaten
Links: Veralteter Sicherungskasten mit Schraubsicherungen. Rechts: Moderne Unterverteilung mit Leitungsschutzschaltern und FI-Schalter.

Was kostet es, den Sicherungskasten zu erneuern?

Die Kosten hängen stark davon ab, ob nur der Sicherungskasten (Unterverteilung) getauscht wird oder ob auch der Zählerschrank erneuert werden muss. Hier eine realistische Aufstellung:

Position Kosten (inkl. MwSt.) Anmerkung
Neuer Sicherungskasten (Material) 150 – 400 € Je nach Größe (1–4 Reihen)
Leitungsschutzschalter (LS) 8 – 15 € pro Stück Meist 10–16 Stück nötig
FI-Schalter (RCD, 30 mA) 25 – 80 € pro Stück Mindestens 1, besser 2–3
Überspannungsschutz (Typ 2) 60 – 150 € Seit 2016 Pflicht bei Neuanlagen
Arbeitskosten Elektriker 55 – 85 € pro Stunde Rechnen Sie mit 4–8 Stunden
Zählerschrank neu (falls nötig) 300 – 800 € Netzbetreiber gibt Typ vor
Anmeldung beim Netzbetreiber 50 – 200 € Pflicht bei Zählerwechsel
Abnahme und Prüfprotokoll 80 – 200 € Messprotokoll nach VDE 0100-600
Gesamtkosten (typisch) 800 – 2.500 € Einfamilienhaus, ohne neue Leitungen
ℹ️
Wichtig: Müssen zusätzlich Stromleitungen erneuert werden (z. B. bei einer Komplettsanierung), steigen die Kosten schnell auf 5.000 – 15.000 €. Der reine Sicherungskastentausch ohne neue Leitungen liegt aber fast immer unter 2.500 €.

Kostenbeispiel: Einfamilienhaus, Baujahr 1978

Familie Schneider aus Hannover lässt ihren 45 Jahre alten Sicherungskasten mit Schraubsicherungen gegen eine moderne Unterverteilung tauschen. Der vorhandene Zählerschrank ist noch normgerecht, muss also nicht getauscht werden.

Position Kosten
Unterverteilung 3-reihig (Hager/ABB) 280 €
12× Leitungsschutzschalter B16 144 €
2× FI-Schalter 40A/30mA 110 €
1× Überspannungsschutz Typ 2 95 €
Kleinmaterial (Schienen, Klemmen, Beschriftung) 65 €
Arbeitszeit Elektriker (6 Stunden × 68 €) 408 €
Messung und Prüfprotokoll 120 €
Gesamt 1.222 €

Ablauf: So läuft die Erneuerung Schritt für Schritt

Der Austausch eines Sicherungskastens ist kein Wochenendprojekt für Heimwerker. Alle Arbeiten an der Elektroverteilung dürfen nur von einem eingetragenen Elektroinstallateurbetrieb durchgeführt werden (§13 NAV). So läuft der typische Ablauf:

1. Bestandsaufnahme und Angebot

Der Elektriker kommt vor Ort, prüft den bestehenden Sicherungskasten, zählt die Stromkreise und prüft, ob der Zählerschrank noch den Vorgaben des Netzbetreibers entspricht. Daraus erstellt er ein detailliertes Angebot. Tipp: Holen Sie mindestens zwei bis drei Angebote ein. Die Preisunterschiede können 30–40 % betragen.

2. Anmeldung beim Netzbetreiber

Wird der Zählerplatz verändert, muss der Elektriker dies beim zuständigen Netzbetreiber anmelden. Der Netzbetreiber gibt den Zählerschranktyp und die technischen Bedingungen vor (TAB). Die Bearbeitung dauert in der Regel 2–4 Wochen.

3. Stromabschaltung und Demontage

Am Tag des Umbaus wird die Stromversorgung komplett abgeschaltet. Der Elektriker entfernt den alten Sicherungskasten, dokumentiert die vorhandene Verdrahtung und prüft den Zustand der Zuleitungen. Planen Sie 4–8 Stunden ohne Strom ein.

4. Einbau der neuen Verteilung

Die neue Unterverteilung wird montiert und bestückt: Leitungsschutzschalter, FI-Schalter, Überspannungsschutz, ggf. Hutschienen-Schaltuhren oder Smart-Home-Aktoren. Alle Stromkreise werden angeschlossen und sauber beschriftet.

5. Messung und Abnahme

Nach dem Einbau misst der Elektriker sämtliche Schutzmaßnahmen nach VDE 0100-600: Isolationswiderstand, Schleifenimpedanz, RCD-Auslösezeit und Durchgangswiderstand des Schutzleiters. Das Prüfprotokoll ist Ihr Nachweis für die fachgerechte Installation — bewahren Sie es unbedingt auf.

Elektriker installiert neuen Sicherungskasten
Ein Elektrofachbetrieb bei der Installation einer neuen Unterverteilung.

Sicherungskasten erneuern im Altbau: Besonderheiten

Im Altbau kommen häufig Zusatzkosten auf Sie zu, die bei einem Neubau nicht anfallen:

  • Alte Leitungen (Aluminium oder stoffummantelt): Leitungen vor 1970 bestehen oft aus Aluminium oder haben eine Stoffummantelung statt PVC. Beide sind nach heutigen Normen problematisch und sollten bei einer Erneuerung des Sicherungskastens gleich mit ausgetauscht werden.
  • Fehlende Schutzleiter (PE): In vielen Altbauten fehlt der Schutzleiter komplett — erkennbar an zweipoligen Steckdosen ohne Schutzkontakt. Ohne PE ist kein funktionierender FI-Schalter möglich.
  • Kein separater Zählerplatz: In Mehrfamilienhäusern aus den 50er- bis 70er-Jahren sind Zähler manchmal direkt im Treppenhaus montiert, ohne normengerechten Zählerschrank.
  • Asbest in alten Verteilerplatten: Einige alte Sicherungskästen bestehen aus asbesthaltigen Materialien. Die Entsorgung muss dann fachgerecht erfolgen (Zusatzkosten: 200–500 €).
⚠️ Achtung bei Mietwohnungen: Die Erneuerung des Sicherungskastens ist Sache des Vermieters. Als Mieter können Sie die Modernisierung nicht eigenmächtig beauftragen. Weisen Sie Ihren Vermieter schriftlich auf sicherheitsrelevante Mängel hin — er ist nach §535 BGB zur Instandhaltung verpflichtet.

Wer zahlt die Erneuerung? Mieter, Eigentümer oder Vermieter?

Die Kostenfrage hängt vom Eigentumsverhältnis und dem Anlass der Erneuerung ab:

Situation Wer zahlt? Rechtsgrundlage
Eigentumswohnung / Eigenheim Eigentümer
Mietwohnung (Instandhaltung) Vermieter §535 BGB
Mietwohnung (Modernisierung) Vermieter (umlegbar: 8 % p.a.) §559 BGB
Netzbetreiber fordert Zählertausch Anschlussnehmer (Eigentümer) §13 NAV

Sicherungskasten vs. Zählerschrank: Was ist der Unterschied?

Diese Begriffe werden oft verwechselt, meinen aber verschiedene Dinge:

  • Sicherungskasten (Unterverteilung): Enthält die Leitungsschutzschalter (Sicherungen) und FI-Schalter für die einzelnen Stromkreise Ihrer Wohnung. Hier landen die Kabel, die zu Ihren Steckdosen und Lampen führen.
  • Zählerschrank: Enthält den Stromzähler, den Hauptschalter und die Sicherung des Netzbetreibers. Er gehört zum Netzanschluss und unterliegt den TAB des lokalen Netzbetreibers.

In vielen Einfamilienhäusern sind beide in einem gemeinsamen Schrank kombiniert. Bei einer Erneuerung muss dann oft beides getauscht werden — was die Kosten erhöht.

Sicherungskasten erneuern: Kann ich das selbst machen?

Nein. Arbeiten an der Elektroverteilung dürfen in Deutschland ausschließlich von eingetragenen Elektroinstallateurbetrieben durchgeführt werden. Das ist keine Empfehlung, sondern gesetzliche Vorschrift:

  • §13 NAV (Niederspannungsanschlussverordnung): Nur eingetragene Installationsunternehmen dürfen an der Kundenanlage arbeiten.
  • Versicherungsschutz: Bei einem Brand oder Unfall durch eine nicht fachgerecht ausgeführte Elektroinstallation kann Ihre Gebäude- und Haftpflichtversicherung die Leistung verweigern.
  • Lebensgefahr: Am Sicherungskasten liegen Spannungen bis 400 V an. Fehler können tödlich enden.

So finden Sie den richtigen Elektriker

Einen guten Elektrofachbetrieb zu finden, ist einfacher als Sie denken. Achten Sie auf folgende Punkte:

  • Eintragung im Installateurverzeichnis des lokalen Netzbetreibers — nur dann darf der Betrieb am Zählerplatz arbeiten
  • Meisterbetrieb — der verantwortliche Elektrotechnikmeister haftet persönlich
  • Detailliertes Angebot mit Auflistung aller Positionen (Material + Arbeitszeit getrennt)
  • Referenzen — fragen Sie nach vergleichbaren Projekten in Ihrer Nachbarschaft

Auf elektriker-suche.de finden Sie geprüfte Elektrofachbetriebe in Ihrer Region — mit Bewertungen, Leistungsprofil und direkter Kontaktmöglichkeit.

Förderung und Steuervorteile

Die gute Nachricht: Ein Teil der Kosten lässt sich steuerlich absetzen oder fördern:

  • Handwerkerleistungen nach §35a EStG: 20 % der Arbeitskosten (nicht Material) können Sie direkt von der Steuerschuld abziehen — maximal 1.200 € pro Jahr. Bei 500 € Arbeitskosten sparen Sie also 100 € Steuern.
  • KfW-Förderung: Im Rahmen einer energetischen Sanierung (z. B. Einbau einer Wärmepumpe oder Wallbox) können die Elektroarbeiten in die Förderung einbezogen werden.
  • BAFA-Förderung: Bei Installation einer Ladeinfrastruktur für E-Autos wird der notwendige Sicherungskastentausch teilweise mit gefördert.
💡 Spartipp: Kombinieren Sie die Erneuerung des Sicherungskastens mit anderen Elektroarbeiten (z. B. Wallbox-Installation, Smart-Home-Verkabelung). Der Elektriker ist ohnehin vor Ort, und die Anfahrtskosten fallen nur einmal an. So sparen Sie schnell 200–400 €.

Häufige Fragen (FAQ)

Wie lange dauert die Erneuerung eines Sicherungskastens?
Der reine Austausch der Unterverteilung dauert in der Regel 4–8 Stunden. Muss zusätzlich der Zählerschrank getauscht werden, kann die Arbeit auch einen vollen Arbeitstag in Anspruch nehmen. Planen Sie die gesamte Zeit ohne Strom ein.
Muss ich den Sicherungskasten im Altbau erneuern lassen?
Eine generelle Nachrüstpflicht für Bestandsgebäude gibt es nicht. Aber: Sobald Sie wesentliche Änderungen an der Elektroanlage vornehmen (neue Steckdosen, Wallbox, Küchenerneuerung), muss die gesamte Anlage den aktuellen Normen entsprechen. In der Praxis bedeutet das bei Altbauten fast immer: neuer Sicherungskasten.
Kann ich nur den FI-Schalter nachrüsten, ohne den ganzen Kasten zu tauschen?
Ja, wenn der bestehende Sicherungskasten technisch geeignet ist. Bei älteren Verteilungen mit Schraubsicherungen ist das allerdings oft nicht möglich, da kein Platz und keine passenden Hutschienen vorhanden sind. In diesem Fall ist ein kompletter Tausch sinnvoller und oft nur geringfügig teurer. Lesen Sie dazu auch unseren Ratgeber zum FI-Schalter nachrüsten.
Was kostet ein komplett neuer Zählerschrank?
Ein neuer Zählerschrank nach aktueller TAB kostet inkl. Einbau zwischen 800 und 2.000 €. Die genauen Kosten hängen vom Netzbetreiber (der den Schranktyp vorgibt), der Anzahl der Zählerplätze und dem Aufwand für die Umverdrahtung ab.
Wird der Strom während der Arbeiten abgeschaltet?
Ja, zwingend. Während der Arbeit am Sicherungskasten ist die gesamte Wohnung bzw. das Haus stromlos. Bei einem reinen Sicherungskastentausch sind das typischerweise 4–8 Stunden. Laden Sie vorher Ihre Geräte auf und informieren Sie ggf. Ihre Nachbarn, wenn der Hausstrom betroffen ist.
Lohnt sich ein Smart-Home-fähiger Sicherungskasten?
Wenn Sie langfristig planen, ja. Ein Sicherungskasten mit Hutschienen-Aktoren ermöglicht es, einzelne Stromkreise per App zu schalten oder den Energieverbrauch zu messen. Der Aufpreis beträgt ca. 300–800 € — rechnet sich aber schnell, wenn Sie eine PV-Anlage oder Wärmepumpe betreiben und den Eigenverbrauch optimieren wollen.

Fazit

Die Erneuerung eines Sicherungskastens kostet typischerweise 800 bis 2.500 € und dauert einen Arbeitstag. Im Altbau mit veralteten Schraubsicherungen ist sie nicht nur sinnvoll, sondern oft sicherheitstechnisch notwendig. Holen Sie mehrere Angebote ein, achten Sie auf die Eintragung im Installateurverzeichnis und nutzen Sie den Steuervorteil nach §35a EStG.

Der wichtigste Schritt: Nicht aufschieben. Ein defekter oder veralteter Sicherungskasten ist eine der häufigsten Ursachen für Wohnungsbrände in Deutschland.

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Weiterführende Ratgeber: Elektriker Kosten im Überblick · FI-Schalter nachrüsten · Kabelquerschnitt-Rechner

Häufig gestellte Fragen

Was kostet es, den Sicherungskasten erneuern zu lassen?

Ein reiner Sicherungskastentausch kostet 800 bis 2.500 Euro. Muss auch der Zählerschrank erneuert werden, steigen die Kosten auf 2.000 bis 4.500 Euro.

Wann muss der Sicherungskasten erneuert werden?

Wenn noch alte Schraubsicherungen verbaut sind, der Kasten keine FI-Schutzschalter hat, regelmäßig Sicherungen auslösen oder das Licht bei Lastwechseln flackert.

Wie lange dauert der Austausch eines Sicherungskastens?

Ein erfahrener Elektriker benötigt für den reinen Tausch 4 bis 8 Stunden. Mit Zählerschrankerneuerung und Abstimmung mit dem Netzbetreiber kann es 1 bis 2 Tage dauern.

Muss der Netzbetreiber beim Sicherungskastentausch einbezogen werden?

Ja, wenn der Zählerschrank betroffen ist. Der Netzbetreiber muss den Zähler ab- und wieder anklemmen. Das ist in der Regel mit einer Bearbeitungsgebühr verbunden.

Kann ich den Sicherungskasten selbst tauschen?

Nein. Der Austausch des Sicherungskastens ist eine Arbeit am Stromkreis und darf nur von einem eingetragenen Elektrofachbetrieb durchgeführt werden.

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