Samstagnachmittag, der neue Elektroherd steht in der Küche – aber die alte Steckdose reicht nicht. Oder die Wallbox für das E-Auto soll endlich in die Garage. In beiden Fällen brauchen Sie einen Starkstromanschluss (400 Volt, Drehstrom). Was das kostet, welches Kabel nötig ist und was Sie selbst erledigen dürfen: Hier erfahren Sie alles, was Sie vor der Beauftragung wissen müssen.
Auf einen Blick: Ein Starkstromanschluss (400V Drehstrom) kostet zwischen 200 und 1.500 Euro – je nachdem, ob die Leitung bereits liegt oder neu verlegt werden muss. Die Installation darf nur ein Elektrofachbetrieb durchführen.
✅ Kosten: 200 – 3.500 € (je nach Aufwand)
✅ Typische Dauer: 2 – 8 Stunden (reine Elektroarbeit)
✅ Anmeldepflicht: Nur bei Wallboxen (ab 11 kW beim Netzbetreiber)
✅ Eigenleistung möglich: Vorarbeiten ja, Anschluss nur vom Fachbetrieb
✅ Relevante Normen: VDE 0100, DIN 18015, TAB
Was ist ein Starkstromanschluss?
Ein Starkstromanschluss – auch Drehstromanschluss, Kraftstrom oder CEE-Anschluss genannt – liefert dreiphasigen Wechselstrom mit 400 Volt. Im Gegensatz zur normalen Haushaltssteckdose (230 V, einphasig) können damit leistungsstarke Geräte betrieben werden: Elektroherde, Durchlauferhitzer, Wallboxen, Saunen, Schweißgeräte oder Tischkreissägen.
In den meisten deutschen Haushalten liegt bereits ein Drehstromanschluss im Sicherungskasten vor – schließlich wird der Hausanschluss standardmäßig dreiphasig ausgeführt. Die Frage ist nur, ob an der gewünschten Stelle (Küche, Garage, Werkstatt) bereits eine entsprechende Leitung ankommt.

Starkstromanschluss Kosten im Überblick
Die Kosten variieren stark je nach Ausgangssituation. In der Praxis sehen Elektriker folgende typische Szenarien:
| Leistung | Typischer Einsatz | Kosten (inkl. Material) |
|---|---|---|
| Herdanschluss (vorhandene Leitung) | Elektroherd, Backofen | 80 – 250 € |
| Neue CEE-Steckdose (kurze Strecke) | Werkstatt, Keller | 300 – 800 € |
| Garage am Haus (5–10 m, Aufputz) | Wallbox, E-Auto-Laden | 800 – 1.500 € |
| Freistehende Garage (Erdkabel, 15–30 m) | Wallbox, Werkstatt | 1.500 – 2.500 € |
| Neue Unterverteilung + Erdkabel (30+ m) | Große Werkstatt, Sauna | 2.000 – 3.500 € |
Welches Kabel wird benötigt?
Die richtige Kabelwahl hängt von der benötigten Leistung und der Leitungslänge ab. Ein zu dünn dimensioniertes Kabel führt zu Spannungsfall und im schlimmsten Fall zu Überhitzung.
Kabeltypen für Starkstrom
| Kabeltyp | Einsatzbereich | Leistung | Querschnitt |
|---|---|---|---|
| NYM-J 5×2,5 mm² | Innenbereich (Wand, Decke) | bis 11 kW | 2,5 mm² |
| NYY-J 5×2,5 mm² | Erdverlegung (Garage, Außen) | bis 11 kW | 2,5 mm² |
| NYY-J 5×6 mm² | Erdverlegung (lange Strecken) | bis 22 kW | 6 mm² |

Voraussetzungen für den Starkstromanschluss
Bevor der Elektriker loslegt, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein:
Technische Voraussetzungen
- Dreiphasiger Hausanschluss: In Deutschland Standard – prüfen Sie im Sicherungskasten, ob drei Phasen (L1, L2, L3) vorhanden sind
- Ausreichend freie Sicherungsplätze: Für einen neuen Drehstromkreis werden mindestens 3 freie Plätze im Verteiler benötigt (ein dreipoliger Leitungsschutzschalter)
- Passender FI-Schutzschalter: Seit 2007 schreibt die DIN VDE 0100-410 einen Fehlerstromschutz (RCD) für alle Steckdosenstromkreise vor – für Starkstrom wird ein 4-poliger FI-Schalter benötigt
- Ausreichende Anschlussleistung: Der Hausanschluss muss die zusätzliche Last vertragen. Bei 22-kW-Geräten sollte die Gesamtbelastung geprüft werden
Rechtliche Voraussetzungen
- Ausführung durch Fachbetrieb: Das Anschließen von Starkstrom darf ausschließlich ein eingetragener Elektrofachbetrieb durchführen – keine Ausnahme, auch nicht für Meister anderer Gewerke
- Anmeldung beim Netzbetreiber: Den Starkstromanschluss selbst müssen Sie nicht anmelden. Wallboxen hingegen sind ab 11 kW meldepflichtig, über 11 kW genehmigungspflichtig
- § 14a EnWG: Seit Januar 2024 müssen Wallboxen ab 4,2 kW für den Netzbetreiber steuerbar sein
- Mietwohnung: Vermieter muss dem Starkstromanschluss zustimmen – bei Wallboxen besteht seit dem WEMoG 2020 ein Anspruch auf Genehmigung
Ablauf: So wird ein Starkstromanschluss installiert
Der Installationsprozess läuft in der Praxis in fünf Schritten ab:
1. Bestandsaufnahme vor Ort
Der Elektriker prüft den vorhandenen Sicherungskasten, die verfügbare Anschlussleistung und die beste Kabelroute. Bei älteren Häusern (vor 1990) ist oft eine Erweiterung der Unterverteilung nötig – das erhöht die Kosten um 300 – 600 Euro.
2. Material und Kabelweg festlegen
Je nach Situation wird entschieden: Aufputz (schneller, günstiger, sichtbar), Unterputz (aufwendiger, optisch sauberer) oder Erdkabel (für Garage/Nebengebäude). Für Erdkabel muss ein Graben von mindestens 60 cm Tiefe ausgehoben werden.
3. Kabel verlegen
Das 5-adrige Kabel (drei Phasen, Neutralleiter, Schutzleiter) wird vom Sicherungskasten zum Einsatzort geführt. Im Erdreich wird es in einem Schutzrohr verlegt und mit einem Warnband in 30 cm Tiefe markiert.
4. Anschluss und Absicherung
Der Elektriker installiert den Leitungsschutzschalter (B16A oder C16A, je nach Verbraucher), den FI-Schutzschalter und die Steckdose oder den Festanschluss. Bei Wallboxen wird zusätzlich ein DC-Fehlerstromschutz (Typ A-EV oder Typ B) benötigt.
5. Prüfung und Inbetriebnahme
Nach der Installation misst der Elektriker Isolationswiderstand, Schleifenimpedanz und FI-Auslösezeit. Sie erhalten ein Prüfprotokoll – bewahren Sie es auf, es ist bei Versicherungsschäden wichtig.
Typische Einsatzbereiche
Starkstromanschluss für den Herd
Der häufigste Fall: Ein neuer Elektroherd braucht einen Drehstromanschluss. Wenn die Leitung bereits in der Küche liegt (erkennbar an der Herdanschlussdose mit 5 Klemmen), kostet der Anschluss nur 80 – 150 Euro. Fehlt die Leitung komplett, muss sie vom Sicherungskasten gezogen werden – dann rechnen Sie mit 300 – 600 Euro.
Starkstrom für die Garage (Wallbox)
Für eine 11-kW-Wallbox reicht ein 5×2,5-mm²-Kabel bis etwa 20 Meter Entfernung. Bei einer freistehenden Garage empfiehlt sich direkt die Dimensionierung auf 22 kW (5×6 mm²) – der Materialaufpreis liegt bei nur 3 – 5 Euro pro Meter, ein späterer Tausch wäre deutlich teurer.

Starkstrom für Werkstatt und Sauna
Tischkreissägen, Schweißgeräte und Kompressoren benötigen typischerweise eine CEE-Steckdose (16A oder 32A). Für eine Sauna (6 – 9 kW) ist ebenfalls Drehstrom nötig. In der Werkstatt empfiehlt sich eine eigene Unterverteilung mit separatem FI-Schutzschalter.
Häufige Fehler vermeiden
- Kabel zu dünn dimensioniert: Wer heute 2,5 mm² verlegt, ärgert sich morgen, wenn ein stärkeres Gerät angeschlossen werden soll. Planen Sie eine Stufe größer.
- Eigenanschluss ohne Fachbetrieb: Illegale Elektroinstallation kann die Versicherung ungültig machen. Bei einem Brand zahlt die Gebäudeversicherung nicht.
- Fehlender FI-Schutz: Ältere Installationen haben oft keinen FI-Schalter. Nachrüstung ist Pflicht bei jedem neuen Stromkreis.
- Wallbox ohne Anmeldung: Ein Verstoß gegen die Meldepflicht kann Bußgelder nach sich ziehen und der Netzbetreiber darf die Anlage stilllegen.
Kein FI-Schutzschalter eingebaut
Ein häufig unterschätztes Risiko: Der Starkstromanschluss wird zwar korrekt verdrahtet, aber ohne separaten FI-Schutzschalter (RCD) abgesichert. Seit der aktuellen VDE 0100-410 ist ein RCD Typ A (besser: Typ B für Wallboxen mit Gleichfehlerströmen) bei jedem neuen Starkstromanschluss Pflicht. Nachrüstkosten: 120 – 250 Euro inklusive Einbau. Wer hier spart, riskiert im Fehlerfall einen lebensgefährlichen Stromschlag – und die Versicherung zahlt nicht. Lassen Sie sich vom Elektriker einen Prüfbericht nach DIN VDE 0100-600 aushändigen – das ist Ihr Nachweis für eine normgerechte Installation.
Was dürfen Sie selbst machen?
Die klare Grenze: Alles bis zur Verdrahtung dürfen Sie selbst erledigen, den Anschluss an das Stromnetz ausschließlich der Fachbetrieb.
| ✅ Erlaubte Eigenleistung | ❌ Nur vom Fachbetrieb |
|---|---|
| Graben für Erdkabel ausheben | Kabel am Sicherungskasten anschließen |
| Leerrohr und Kabelkanal montieren | FI-Schutzschalter einbauen |
| Schlitze stemmen (Unterputz) | CEE-Steckdose verdrahten |
| Graben verfüllen | Inbetriebnahme und Prüfprotokoll |
Häufig gestellte Fragen
Was kostet ein Starkstromanschluss für den Herd?
Wenn die Leitung bereits in der Küche vorhanden ist, kostet der reine Herdanschluss 80 – 150 Euro. Muss eine neue Drehstromleitung vom Sicherungskasten gelegt werden, steigen die Kosten auf 300 – 600 Euro.
Kann ich Starkstrom selbst verlegen?
Nein – den Anschluss darf ausschließlich ein eingetragener Elektrofachbetrieb durchführen. Sie dürfen aber Vorarbeiten leisten: Graben ausheben, Leerrohr verlegen, Kabelkanal montieren. Dadurch sparen Sie 200 – 500 Euro.
Muss ein Starkstromanschluss angemeldet werden?
Der Starkstromanschluss selbst ist nicht anmeldepflichtig. Wallboxen müssen jedoch beim Netzbetreiber gemeldet (bis 11 kW) oder genehmigt (über 11 kW) werden. Seit 2024 müssen Wallboxen ab 4,2 kW zudem steuerbar sein (§ 14a EnWG).
Welches Kabel brauche ich für 11 kW bzw. 22 kW?
Für 11 kW reicht ein NYM-J 5×2,5 mm² (innen) oder NYY-J 5×2,5 mm² (Erde) bis ca. 20 Meter. Für 22 kW benötigen Sie mindestens 5×6 mm². Bei Strecken über 20 Meter muss der Spannungsfall geprüft werden – oft ist ein größerer Querschnitt nötig.
Starkstrom in der Mietwohnung – geht das?
Grundsätzlich brauchen Sie die Zustimmung des Vermieters. Für Wallboxen hat der Gesetzgeber 2020 mit dem WEMoG einen Anspruch auf Genehmigung geschaffen – der Vermieter darf nur aus wichtigem Grund ablehnen. Für andere Starkstromanschlüsse ist eine individuelle Vereinbarung nötig.
